2024 konnte die Wirtschaftsförderung des Kantons Schaffhausen zahlreiche Bestandespflegeprojekte von Schaffhauser Unternehmen begleiten, Jungunternehmende unterstützen und neue Unternehmen ansiedeln. Diese Erfolge bauen auf den guten und verlässlichen Rahmenbedingungen des Wirtschafts- und Lebensraums.
Auch im letzten Jahr haben die geopolitischen Spannungen mit den zunehmenden nationalistischen Stimmungen und den abgeschotteten Märkten zugenommen. Sie sind gefährlich für die kleine Wirtschaftsnation Schweiz. Drohende Zölle zusammen mit rezessiven Tendenzen im Euroraum, insbesondere in Deutschland, sind gerade für die produzierenden, exportorientierten Unternehmen hier in der Grenzregion Schaffhausen eine grosse Herausforderung. Gleichzeitig stellte die OECD-Mindeststeuer den Standortwettbewerb auf den Kopf. Der Steuerwettbewerb hat sich zum Subventionswettbewerb gedreht. Das schafft neue Herausforderungen für die ganze Schweiz.
Bestandspflege als Schlüssel zum Erfolg
Die Wirtschaftsförderung hält darum engen Kontakt zur ansässigen Wirtschaft und war im letzten Jahr mit über 200 Unternehmen im Gespräch. Sie leistete Aufklärungsarbeit und unterstützte diese in ihrer Transformation und Weiterentwicklung beispielsweise durch die Vermittlung der richtigen Unternehmens-, Dienstleistungs- und Technologiepartner. Alles mit dem Ziel, eine krisenfeste Branchenstruktur zu schaffen, sowie Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu schaffen. Im Bereich Innovationsförderung arbeitete man eng mit regionalen Technologieplattformen und überregionalen Vernetzungsorganisationen zusammen. Wichtigster Partner ist das Industrie- und Technozentrum Schaffhausen (ITS), das den ansässigen Unternehmen Zugang zum Innovationsnetzwerk Ostschweiz (INOS) mit vielfältigen Coachingangeboten für KMU bietet. Im Jahr 2024 konnten 35 KMU-Innovationsphasen durchgeführt werden – fünfmal mehr als im Vorjahr.
Erfolgreiche Impulse für die Region
Nur wenn es Unternehmen gelingt, Innovationen auf den Markt zu bringen, können sie im Wettbewerb langfristig bestehen. Dafür setzt die Wirtschaftsförderung gezielt Impulse. Zum Beispiel mit überregionalen Leuchtturmprojekten in den Technologiefeldern Food Tech, Mobility & Automation, Life Science, Advanced Materials sowie neu auch im Bereich Wasser- und Umwelttechnologien. Schaffhausen profitiert von bestehender Expertise und viel Innovationspotential für weitere Entwicklungsschritte. Das Ergebnis sind Orte, an denen Unternehmen effizient zusammenwachsen und sich in ihrem Innovationspotential gegenseitig bereichern. Wie das Neuhauser SIG-Areal, auf dem der Skill Hub als Plattform für die Kreativitätswirtschaft und Innovationsindustrie seine Räumlichkeiten mit gleichgesinnten Unternehmen teilt – von Automations-, Medtech- und Verpackungsspezialisten bis hin zum Circulab von Johnson & Johnson mit Fokus auf die Kreislaufwirtschaft in der Pharmaindustrie. Auch auf dem Rhytech-Areal nebenan ist Leben eingekehrt. Inmitten von Wohnraum, Gastro- und Gewerbeflächen entsteht ein neues Forschungszentrum von FMC, einem führenden Anbieter innovativer Pflanzenschutzlösungen. Auch sie hat der Kanton überzeugt.
«Food Hub» macht den ersten Schritt
Auch das Unilever-Areal in Thayngen zeigt, wie die Wirtschaftsförderung zusammen mit Unternehmen Entwicklungen anstossen und Projekte langfristig vorantreiben kann. Nach verschiedenen Restrukturierungen bei Unilever entstanden im Herbst 2016 erste Ideen, wie man die freistehenden Produktionsflächen und ungenutzten Anlagen in Thayngen neu beleben könnte. Es folgten viele Gespräche, Workshops, Treffen mit Investoren, Start-up-Inkubatoren und Hochschulen, um Entwicklungsmöglichkeiten für das Areal zu schaffen. Im Dezember 2024 war es endlich so weit: Der «Knorri Park» öffnete als Food-Kompetenz-Hub seine Tore und bietet Unternehmen aus der Lebensmittelbranche einen neuen Wirkungsort. Mit Gastronomics, dem Produzenten hochwertiger Convenience Produkte, zog bereits das erste Unternehmen ein.
Jungunternehmer erhalten Unterstützung
Um das Wirken der lokalen Gründerszene sichtbar zu machen und hiesigen Start-ups eine Plattform zu bieten, organisierte die Wirtschaftsförderung 2024 zusammen mit dem StartHub einen Gemeinschaftsstand an der Schaffhauser Herbstmesse. Zusätzlich unterstützte sie angehende Gründerinnen und Gründer bei der Verwirklichung neuer Geschäftsideen, bei der Vorbereitung auf Investorengespräche und verschiedenen breiten Kursangeboten, beispielsweise zum Thema Marketing.
75 Personen nahmen im letzten Jahr das Angebot einer kostenlosen Erstberatung wahr und profitierten von Tipps zur Gestaltung ihres Businessplans, von einer Klärung bei Finanzierungsfragen und der Vernetzung mit neuen Business-Kontakten. Daraus gingen sechs Firmengründungen hervor.
Eine besondere Kooperation ging die Wirtschaftsförderung im Jahr 2024 mit der Swiss Game Developers Association (SGDA) ein, um Startups von ausserhalb Schaffhausen anzuziehen. Nach einer Bewerbungsphase wurden fünf Game Studios für eine Qualifikationsrunde auf den nächsten Powerpitch 2025 eingeladen. Zwei davon können zusammen mit drei Start-ups aus anderen Industrien vor einer ausgewählten Investorenrunde im Stil von «Höhle der Löwen» pitchen.
Ansiedlungen stärken Schaffhausen als Wirtschaftsstandort
Ziel der aktiven Wirtschaftsförderungspolitik des Kantons Schaffhausen ist neben der Stärkung und Profilierung des Standorts auch die Diversifikation der Wirtschaftsstruktur durch gezielte Ansiedlungen. Im Berichtsjahr wurden mehr als 150 Ansiedlungsprojekte bearbeitet. Schlussendlich entschieden sich 19 Firmen für einen Umzug in den Kanton Schaffhausen – ein sehr gutes Ergebnis im schweizweiten Vergleich.
Dieser Erfolg ist nur dank der intensiven und eingespielten Begleitung durch Steuerverwaltung und Wirtschaftsförderung während des gesamten Evaluationsprozesses möglich, der bis zu mehreren Monaten andauern kann. So entstehen neue Arbeitsplätze, mehr Steuerkraft und Innovationspotenzial für die Region sowie positive direkte und indirekte Gesamteffekte für den ganzen Kanton.
Eine der erfolgreichen Ansiedlungen aus dem Jahr 2024 ist Vertiv. Das Unternehmen stellt weltweit die technische Infrastrukturlösungen von Datencentern sicher, und eröffnete im letzten Jahr seinen EMEA-Hauptsitz in Neuhausen am Rheinfall. Bereits sind rund über 20 Mitarbeitende hier. Weiter hat der Autozulieferer Aptiv seinen Sitz in die Stadt Schaffhausen verlegt und in kurzer Zeit bereits 30 neue Stellen geschaffen. Zahlreiche Mitarbeitende dieser Unternehmen fanden dank der Unterstützung der Wirtschaftsförderung im Kanton bereits ein neues Zuhause für sich und ihre Familien. Ein Beweis dafür, dass der Kanton als Wohnregion attraktiv ist und mit viel Lebensqualität überzeugt.
Schaffhausen als Wirtschaftsstandort der Zukunft
Hauptargumente für neue Ansiedlungen bleiben Steuervorteile, optimale Verkehrsanbindungen und eine hohe Verfügbarkeit von Arbeitskräften. Jedoch spielen weiche Faktoren wie spürbarer Innovationsgeist, ein attraktives Technologieprofil und generell wirtschaftsfreundliches Umfeld das entscheidende Zünglein an der Waage. Im Kontext des internationalen Standortwettbewerbs ist es darum wichtig, einen ganzheitlichen Blick beizubehalten. Nur wenn finanzielle und gesellschaftliche Komponenten gezielt aufeinander aufbauen, entsteht ein stabiles Fundament, auf dem sich ein Wirtschaftsstandort langfristig und erfolgreich entwickelt. Daran gilt es noch stärker weiterzubauen – von allen Seiten.